Literatur Statistik Sorben

Der Titel klingt recht trocken, für den Domowina-Verlag in Bautzen aber ist die „Statistik der Lausitzer Sorben“ eine faszinierende wissenschaftliche Quelle. Das Buch erschien gerade und hat am 5. Dezember im Bautzener Stadtmuseum Premiere.  

Von 1884 bis 1886 veröffentlichte der sorbische Ethnograf, Sprachwissenschaftler und Gründungsvater der Sorabistik Arnošt Muka (Ernst Mucke) einen der bis heute einflussreichsten Texte der sorbischen Publizistik – die „Statistika łužiskich Serbow“, teilt der Verlag dazu mit. Seine Bedeutung lag vor allem im statistischen Material zur Stärke der ober- und niedersorbischen Bevölkerung am Ende des 19. Jahrhunderts. Aber das Buch ist weit mehr als ein Zahlenwerk. Es ist mit seinen ausführlichen Beschreibungen dörflichen Lebens und sprachpolitischen Kampfansagen eine faszinierende Quelle für Volkskundler, Historiker, Soziologen, Heimatforscher und Ortschronisten, betont der Verlag. Im Detail erfährt der Leser, wie damals durch Industrialisierung und Zuzug fremder Arbeiter vor allem in die nördliche und südliche Oberlausitz sich dort die deutsche Sprache in der Öffentlichkeit mehr und mehr Bahn brach. Die katholischen Gemeinden zwischen Kamenz und Bautzen hingegen kristallisierten sich als Kerngebiet sorbischer Resistenz gegenüber der Germanisierung heraus. Der Ethnologe Robert Lorenz hat das bisher nur in sorbischer Sprache vorliegende Werk samt Mukas Nachträgen aus den Jahren 1896 und 1900 ins Deutsche übertragen mit der Absicht, es einer viel breiteren wissenschaftlichen wie allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (st)

Arnošt Muka, Statistik der Lausitzer Sorben, übersetzt und herausgegeben von Robert Lorenz, 532 S., 1 Faltkarte, Hardcover, 978-3-7420-2587-6, 34 €

Buchpremiere am 5. Dezember im Stadtmuseum Bautzen, 19.30 Uhr

Der Verlag im Netz: www.domowina-verlag.de