Strittmatter Ausstellung Laden Bohsdorf

Ein Guckloch von der Backstube in den Verkaufsladen, das hat es wahrscheinlich nicht nur bei den Strittmatters im Niederlausitzer Heidedorf Bossdom gegeben. Auch der Potsdamer Fotograf  Udo Weber erinnerte sich jetzt bei einem Besuch in der Erwin-Strittmatter-Gedenkstätte und der magisch poetischen Umgebung des „Ladens“ in Bohsdorf bei Spremberg an seine Kindheit. Da hat er nämlich damals als siebenjähriger Knirps bei Onkel und Tante, die eine Landbäckerei in einem kleinen sächsischen Dorf bei Oschatz betrieben haben, auch die Kunden durch einen „Spion in der Tür“ beobachtet. Aus aktuellem Anlass seiner Kindheitserinnerungen und der Visite in Bohsdorf kam dem Künstler dabei eine geniale Idee. „Ich wollte mich mit meiner Kamera umschauen und einen Kunden aufs Korn nehmen, wie er in verschiedenen Rollen in seiner Umgebung vor 100 Jahren ausgesehen und wer mit ihm den Laden betreten haben könnte“, sagte der 60-Jährige.

Das Ergebnis ist erstaunlich. Gut 1.800 Mal drückte Udo Weber auf den Auslöser. Er inszenierte dafür zahlreiche Orte mit Stillleben in seinem Haus und Garten und Szenen mit einem Kriegsheimkehrer, Pfeifenraucher, Maler und Doktor sowie einem Händewäscher, Schriftsteller, Musiker, Katzenliebhaber und Fotografen. Ein Freund von ihm schlüpfte dabei als Darsteller in Potsdam in die verschiedenen Rollen. „Aus einer anderen Zeit“ hat Weber seine Fotoserie genannt. Das Projekt, angelehnt an die drei Teile des Strittmatter-Romans „Der Laden“, wird als besondere künstlerische Idee in Corona-Zeiten gewertet.

„13 Aufnahmen der ungewöhnlichen Milieustudie von Udo Weber sind ab 31. August für rund sechs Wochen in unserer Literaturscheune in Bohsdorf zu bewundern“, sagte die Vorsitzende des Erwin-Strittmatter-Vereins, Renate Brucke. Die Fotos haben eine Größe von 60 mal 40 Zentimeter und sind auf Alu Dibond (Metallplatten) und in Sepia gedruckt. Dazu gibt es auch einen Kalender für das Jahr 2021, der käuflich im Bohsdorfer „Laden“ und auch beim Künstler erworben werden kann. Die Ausstellung wird mit einer feierlichen Vernissage eröffnet, bei der Fotokünstler Udo Weber und auch Darsteller Robert Schmidt anwesend sein werden. Für die musikalische Umrahmung sorgt Liedermacher Günther Hornberger, der mit einer Musikgruppe auch zur Museumsnacht am 12. September spielt. (kay) 7. August 2020

Fotoausstellung  „Aus einer anderen Zeit“ des Potsdamer Künstlers Udo Weber, Eröffnung am 31. August, 17 Uhr, in der Literaturscheune der Erwin-Strittmatter-Gedenkstätte in Bohsdorf, Dorfstraße 31, Eintritt frei

neue Bühne Senftenberg Spielzeit Eröffnung August September

Am 15. August öffnet die neue Bühne in Senftenberg wieder ihre Vorhänge. Mit fast 30 Vorstellungen im August und September auf einer Bühne im Theaterinnenhof und in einem nahe gelegenen Auto-Theater wird ein luftig-leichtes Programm angekündigt. Die Spielzeiteröffnung am 15. August beginnt um 14 Uhr mit einer "wilden Spielplanversteigerung" mit Musik und Unterhaltung, die einen Blick in die kommende Spielzeit 2020/21 gibt. Zwei weitere Vorstellungen sind um 16 und 18 Uhr geplant, Um 20 Uhr ist zum ersten Mal das einstündige Programm von Benjamin Rietz und Erik Brünner „Wo ich meinen Hut hinhäng. Unsere Lieblingslieder von Udo Lindenberg“ zu erleben. Mit Klavier, Schlagwerk, Gesang und Udo Lindenbergs Musik geht es gegen die Strömung und gegen den Wind, schreibt das Theater. Weitere Vorstellungen gibt es 3. und 12. September auf der Hofbühne, am 18. August im Auto-Theater.

Eine weitere Neuproduktion feiert am 20. August Premiere: „Robin Hood meets Pinocchio oder zwei Helden für ein Leben“ von Tilo Esche. In diesem Abenteuer für Erwachsene stellt der Tod nach einer durchzechten Nacht fest, dass er seine Liste verloren hat. Nicht irgendeine Liste, sondern DIE Liste. Also heißt es „im Trüben fischen“ und den Zufall entscheiden lassen, wen es als nächstes trifft. Hier kommt Karl Magerquark ins Spiel, mit dem der Tod eine Wette eingeht. Die größten Helden seiner Kindheit sollen gegen seinen furchtbarsten Albtraum-Schurken ein Abenteuer bestehen, dann darf Karl weiterleben. Das Problem ist allerdings, dass die Helden nicht die geringste Ahnung haben, warum sie aufeinandertreffen und so nimmt eine haarsträubende Story ihren Anfang. Vorstellungen sind am  20./21./22./28. August & 4./11. September, jeweils 20 Uhr auf der Hofbühne geplant.

Zum Programm gehört auch Wie Theodor sich in die Welt schrieb von Tilo Esche und Katja Stoppa. Eine Wandertheatergruppe erhält Fördermittel, um ein Stück über Theodor Fontane zu produzieren. Leider hat sich bisher nie jemand von ihnen mit dem Dichter beschäftigt, und so verfügen sie nur über gefährliches Halbwissen und verwechseln ihn auch schon mal mit Theodor Storm. Nichtsdestotrotz wollen sie sich der Herausforderung stellen und Fontanes Leben auf die Bühne bringen. „Effi Briest“ wird zur Komödie und Fontanes Leben einer ganz eigenen Betrachtung unterworfen. Vorstellungen gibt es am 29./30. August & 5./6./13. September, 20 Uhr auf der Hofbühne.

Bei der Impro-Show ist alles möglich: fabulieren, rezitieren, deklamieren, boxen, jagen oder sich lieben, erklärt das Theater. Also fast alles, denn Sicherheit müsse sein. In der Pandemie-Variante improvisieren drei Schauspieler zu vom Publikum genannten Themen, Genres oder Stimmungen, Objekten, Menschen, Situationen. Komplizierte, undenkbare Begriffskombinationen sollen spielerisch leicht zu tiefgründigen Szenen oder Liedern verarbeitet werden, immer neu, spontan, nie wiederholbar am 16./23. August & 10. September, 20 Uhr auf der Hofbühne.

Im „Dachbodenfund“ begeben sich Jan Schönberg und Mirko Warnatz in einer Konzertversion des beliebten Stücks auf eine musikalische Spurensuche durch die Schlager unserer Zeit, schreibt das Theater und kündigt Vorstellungen für den 27. August auf der Hofbühne & 19. August im Auto-Theater an,  jeweils 20 Uhr

Die kleinen Gäste sollen Lost and Found: Ein Herz und andere Dingeab sechs Jahre und Mit Fritz Rasselkopf auf der Suche nach den Rasselköpfen ab vier Jahre unterhalten. Das erste Stück von Rike Reiniger wird als unschuldige deutsch-englischen Liebesgeschichte beschrieben, in der die Besucher sinnlich, spannungsvoll und auf witzige Weise die fremde Sprache erfahren und erlernen können. Judy und August sind sich anfangs fern und geben sich dann zuerst mit Händen und Füßen und schließlich mit ganzem Herzen dem wundervoll einfachen Spiel hin. Vorstellungen sind am 30. August & 5./12./13. September, 16 Uhr auf der Hofbühne vorgesehen. Im zweiten Stück von und mit Jan Mixsa lernen die Kinder Fritz kennen, einen blechernen Querkopf mit einem ganzen Haufen Flausen unter seinem wuscheligen Haar. Einen kulleräugigen „Rasselkopf “ nennt ihn seine Mutter und er möchte wissen, wer die Rasselköpfe sind und wo sie wohnen. Mit dem Puppenspieler geht es auf eine abenteuerliche Reise, auf der lispelnde Krokodile, altkluge Raben und Blechelefanten zu erleben sind: am 6. September, 16 Uhr auf der Hofbühne. (st) 6. August 2020

Karten an der Theaterkasse im Besucherzentrum, telefonisch unter 03573 801 286 oder online auf theater-senftenberg.de

Ziegelbahn Lausitzer Museumsnächte Programm 2020

Die ehrwürdigen Festungen in Peitz, Spandau und Küstrin tragen seine Handschrift. Im September steigt der kaiserliche Oberingenieur, Artillerie-Obrist, ehemalige Gutsbesitzer und Kirchenpatron Jacob von Holst (1609-1674) wieder von seinem Sockel, auf den ihn die Spremberger Museumsleute vor vielen Jahren gehoben haben. Mit seinem facettenreichen Wirken hat er vor über 400 Jahren die Lausitzer Geschichte wesentlich mitbestimmt. Seine Originalbüste stand bis zum Abriss des Dorfes Stradow bei Spremberg durch den Braunkohlebergbau in der dortigen Kirche, seit 1982 in der Spremberger Kreuzkirche und jetzt ist sie als Kopie im Schloss der „Perle der Lausitz“ zu sehen. „Wenn Jacob von Holst erwacht – dann ist wieder Museumsnacht“, heißt der inzwischen bestens bekannte Slogan. Vom 5. bis 26. September ist es wieder soweit. Dann wird der unweit von Danzig geborene von Holst, dessen sterbliche Überreste, unter anderen sein gespaltener Schädel, 1982/83 zufällig beim Abriss der Stradower Kirche gefunden wurden, wieder zur Leitfigur der Lausitzer Museumsnächte des Landkreises Spree-Neiße.

Zum 16. Mal öffnen 22 Museen, Kirchen, technische Denkmäler und Kultureinrichtungen schon lange vor Einbruch der Dämmerung ihre Türen“, teilte der Koordinator des Arbeitskreises Lausitzer Museenland, Sven Vogt, mit. Unter dem Motto „Alles dreht sich“ werden sich Spinnräder, Mühlenräder, Schleifsteine und alte Dreschmaschinen sowie Filmrollen, Feuerräder und sogar eine Feldbahn in Bewegung setzen. Es werden Sonderausstellungen eröffnet, Backöfen angeheizt für Brot und frischen Kuchen und es gibt spezielle Führungen durch die Museenlandschaft und besondere Konzerte. Der kleine Hausgeist „Kobi“ führt wieder durch Veranstaltungen mit spannenden Aktionen für Kinder aller Altersstufen. Gleich zu Beginn am 5. September gibt es auf dem Innenhof des Spremberger Kulturschlosses ein historisches Weinfest und in Guben wird an die 24. und letzte Gubener Apfelkönigin erinnert.

In der Erwin-Strittmatter-Gedenkstätte „Der Laden“ in Bohsdorf bei Spremberg können die Besucher am 12. September ein besonderes Konzert unter dem Motto „Gemischtes“ mit Liedermacher Günther Hornberger und seinen musikalischen Gästen erleben. Im sächsischen Ostereiermuseum und Erlebnishof Elsterheide/Sabrodt kann man am gleichen Tag tanzende Eier auf einem Drehteller bewundern und in der Holländermühle in Turnow bei Peitz tanzen am 19. September sogar die Mühlenmäuse auf dem Tisch. Auch eine 2.100 Meter lange Rundfahrt mit der legendären Klein Kölziger Feldbahn können die Besucher an diesem Tag erleben. Im Heimatmuseum des Storchendorfes Dissen gibt es am 26. September ein Konzert mit der Gruppe „Celtic Affair“ und in der Heimatstube Burg/Spreewald wird geflochten, was das Zeug hält und dazu gibt es die Lesung „Abenteuer  im Pilzwald“ mit Buchautorin Ingrid Groschke. Die Veranstalter erwarten zu den 16. Lausitzer Museumsnächten über 3.000 kleine und große Besucher. (kay) 4. August 2020

16. Lausitzer Museumsnächte vom 5.-26. September, Infos unter www.lausitzer-museenland.de