Zittau Kulturhauptstadtbewerbung

Zittau will sich als Kulturhauptstadt Europas 2025 bewerben. Dabei sollen das Dreiländereck und die gesamte Oberlausitz einbezogen werden. Wie das läuft und warum das für viele Menschen ein Vorteil sein kann, sagt Jenny Böttcher vom Zittauer Kulturhauptstadtbüro im Interview.

Frau Böttcher, Zittau trommelt gerade ordentlich für die Bewerbung als Kulturhauptstadt. Unter dem Motto „Zittau zeigt Herz“ finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Am Freitag beginnt eine ganze Aktionswoche in der Stadt. Was passiert da?

Nicht nur alle möglichen Kunst- und Kulturinitiativen kommen zusammen, sondern auch der Freundeskreis zur Kulturhauptstadtbewerbung hat einiges vorbereitet. So gibt es eine Vorlesenacht an elf spannenden Orten wie dem Wasserturm, am Tag darauf wird auch für Kinder gelesen. In der Johanniskirche ist ein Kantate-Chortreffen. Parallel läuft das trinationale Theaterfestival „JOS“. Und am 25. Mai ist „Herzklopfen“, das Event zum Bürgerentscheid mit Picknick, Karaoke, Diskussionen und Kunstprojekten.

Haben Sie nicht Angst, dass der Bürgerentscheid ausgeht wie beim Brexit?

Nein. Wir sind positiv gestimmt. Wir sehen Zittau durchaus in der Lage, eine gute Entscheidung für die Zukunft zu treffen, weil es eine tolle Idee ist, bei der Zittau nur gewinnen kann. Wann hat man schon als kleine Stadt die Chance, gemeinsam mit der Region groß rauszukommen? Parallel dazu gibt es noch einen Juniorentscheid.

Einen Juniorentscheid, ab welchem Alter?

Ab der ersten Klasse. Wir wollten nicht über die Zukunft entscheiden, ohne die Zukunft selbst gefragt zu haben, junge Menschen unter 18, die hier leben und sich vielleicht entscheiden, hier bleiben zu wollen. Mit dem Projekt Kulturhauptstadt Europas haben wir die Möglichkeit, die Stadt so zu gestalten, dass der Anreiz wieder groß genug ist, hier zu bleiben. Vor allem die jungen Leute haben eine klare Vorstellung, zum Beispiel zum Umweltschutz, die sind allgemein sehr besorgt und haben Ideen, die sind wirklich wichtig für uns alle, da können wir die Ohren aufsperren. Also die Jugend wird eine Woche lang an die Wahlurne schreiten können. Alle Zittauer Schulen machen mit. Der letzte Tag ist der 24. Mai, vor dem eigentlichen Bürgerentscheid. Auch die Wahlurnen werden von den Kindern selbst gestaltet.

Die Bewerbung erfolgt erst nach dem Bürgerentscheid?

Ja, der offizielle Startschuss war zwar bereits im Oktober in Berlin. Für die Abgabe der Bewerbung ist aber noch bis zum September dieses Jahres Zeit.

Die ganze Oberlausitz soll einbezogen werden. Wie wollen Sie Bautzen, Kamenz oder Hoyerswerda mit ins Boot holen?

Jede Stadt hat ihre spezielle Geschichte und glänzt durch Merkmale, mit denen sie sich einbinden kann. In Görlitz ist es zum Beispiel die Doppelstadt mit der polnischen Seite und in Hoyerswerda die Industriekultur mit der Energiefabrik in Knappenrode. Das ist ja auch schöne eine Vielfalt in der Region.

Allein in Sachsen gibt es mit Dresden und Chemnitz noch zwei Städte, die Kulturhauptstadt werden möchten. Sehen Sie die eher als Mitbewerber oder Konkurrenten?

Wir haben uns von Anfang an eher als Mitbewerber gesehen und treffen uns regelmäßig. Es gibt einen regen Austausch, zum Beispiel sprechen wir viel darüber, wie man zusammenarbeiten kann. Aber am Ende des Tages sind wir, formal gesehen, Konkurrenz, natürlich.

Und was passiert, wenn Zittau nicht gewinnt?

So oder so muss es einen Plan B geben. Das wird auch in der Bewerbung verlangt. Wir haben bereits über 200 Ideen gesammelt, die wirklich toll sind, und werden dann überlegen: Was ist das Beste, von dem möglichst viele Menschen profitieren können? Das verfolgen wir weiter. Bei gemeinsamen Workshops sind viele kleinere und größere Visionen für die Stadt und die Region entstanden, die man auf alle Fälle weiterverfolgen sollte. Sehr häufig wurden zum Beispiel die Roburwerke thematisiert. Das ist nur einer von vielen Ansatzpunkten, der den Menschen am Herzen liegt.

Immerhin interessieren sich bereits jetzt viele Medien für Zittau, gerade erst war das Frühstücksfernsehen vom ZDF da.

Ja, das Medienecho ist schon jetzt enorm und für die Stadt und die Region von großem Wert. Das ZDF hatte zum Thema „Alltag Europa“ eine Stadt gesucht, wo das zutrifft, da bietet sich Zittau natürlich an und die Bewerbung eignet sich sehr gut dafür. Bei der Medienberichterstattung ist es so, dass wir am unbekanntesten sind und man sich dadurch manchmal sogar noch eher mit Zittau beschäftigt als mit Dresden. Wie man sieht, konnte Zittau seinen Bekanntheitsgrad schon jetzt um einiges steigern. Vor allem durch den Bürgerentscheid sind wir ein Thema, denn so etwas hat es zuvor in noch keiner Bewerberstadt gegeben. Man möge sich vorstellen, was passiert, wenn dieser erfolgreich nun ausgeht.

In einem Beitrag der Wochenzeitung Die Zeit wurde Zittau sogar als Geheimfavorit gehandelt. Haben Sie das auch schon anderswo gelesen oder gehört?

Das hört man gelegentlich. Wir freuen uns über alle Schlagzeilen, die wir machen.

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