Wendisches Museum Cottbus Wassermann

Der Wassermann vor dem Wendischen Museum in Cottbus hat sie alle endlich wieder. Nicht nur ein Berliner Ehepaar, sondern auch die vielen Museumsbesucher können jetzt die seit 2005 auf einem Stein sitzende sorbisch-wendische Sagengestalt aus Bronze von Peter Buth aus dem Spreewaldkurort Burg wieder liebkosen. Seit dem 28. Oktober hat die zentrale Fundgrube und das Kompetenz- und Leitzentrum für niedersorbische Kultur und Geschichte zwar wieder geöffnet, aber muss schon wieder schließen. Nach den präzisierten Corona-Auflagen der Brandenburger Landesregierung werden alle Museen im Land vom 2. bis zum 30. November geschlossen. Dazu gehört auch das Wendische Museum (niedersorbisch: „Serbski muszj“).

Nach einer umfänglichen Sanierung und einem barrierefreien Umbau des ehemaligen Wohn- und Handelshauses in der Cottbuser Altstadt  sowie einer vollständig neuen Dauerausstellung könnte es jetzt nach über vier Jahren erstmals wieder Besucher empfangen. Die Kosten für die aufwendige „Frischekur“ des 1994 eröffneten Museums betragen rund eine Million Euro. „Die gesamte Ausstellungsfläche wurde erneuert“, sagte die Cottbuser Kulturdezernentin Maren Dieckmann bei der Wiedereröffnung. Die modernisierte Ausstellung zeigt ein neues, hochwertiges Design und Farbkonzept, eine individuelle Raumgestaltung und es gibt neue, mediale Angebote. Sie lassen auch die vom Aussterben bedrohte niedersorbische Sprache wieder erlebbar werden.

Geschaffen wurde ein neu gestalteter Service-und Empfangsraum mit Garderobe und Schließfächern. Hier wird den Besuchern gleich zur Begrüßung ein Einführungsfilm zur Ausstellung gezeigt. Auch die Sonderausstellungsräume sind neu gestaltet worden, wie auch der Innenhof mit einem symbolischen Lindenblatt. Zentraler Schwerpunkt ist die neue Dauerausstellung im ersten Obergeschoss. Sie kann man bei einem geschlossenen Rundgang genießen und so die niedersorbische Kultur im Zeitraffer zwischen Tradition und Moderne erleben. Der Ausstellungsbogen spannt sich von der größten niedersorbischen Trachtensammlung unter anderen mit einem Foto von einer Tanztracht aus dem Jahr 1909 und einem Ölbild von einer Brautjungfer von 1923 bis zur modernen Spreewaldtracht, die von der Lübbenauer Modedesignerin Sarah Gwisczcz als neues Modelabel „Wurlawy“ kreiert wurde.

Auch das sorbisch-wendische Brauchtum vom Hahnrupfen und Johannisreiten bis zum traditionellen  Ostereierverzieren spielt natürlich eine dominierende Rolle. Weit über 100.000 Besucher sind bisher ins Wendische Museum mit mehr als 100 Sonderausstellungen, Konzerten, Lesungen, Vorträgen und wendischen Gesprächsrunden gekommen. Jetzt könnte eigentlich eine neue Ära des Cottbuser „Serbski muzej“ beginnen, aber die aktuellen Corona-Auflagen machen das Vorhaben zunächst zunichte. Von der landesweiten Schließung betroffen sind unter anderen auch Clubs, Diskotheken, Theater, Tierparks und Schwimmbäder sowie Freizeitparks, Jugendclubs und Indoorspielplätze. Offen bleiben dürfen Bibliotheken, Musik- und Kunstschulen sowie Gedenkstätten. Das Brandenburger Kulturministerium stellt rund 45 Millionen Euro als Entschädigung für Einnahmeausfälle bereit. (kay) 30. Oktober 2020

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