Pücklerpark Branitz 1945 Ausstellung

Eine alte Bank aus dem Besitz der Fürstin Lucie von Pückler-Muskau, noch gut erhaltene Bombensplitter in Baumstämmen, eine Zierkugel der italienischen Mauer aus dem Jahr 1850 mit Einschusslöchern und nach dem Krieg im Schlosssee gefundene Waffen aus der Sammlung des Fürsten Pückler sind jetzt einige der aufgebahrten Zeitzeugen im historischen Marstall in Branitz, einem Ortsteil von Cottbus. Wo der grüne Gartenfürst, Weltenbummler und Literat einst seine edlen Pferde und prächtigen Kutschen in besonderer Schlossnähe luxuriös logieren ließ, da wurde am 8. Mai der Hauptteil einer ganz besonderen Sonderausstellung eröffnet. Sie nennt sich „Branitz 1945. Das fürstliche Erbe in der Stunde Null“ und ist ein Teil von 40 Projekten mit mehr als 100 Veranstaltungen im Themenjahr Kulturland Brandenburg 2020 „Krieg und Frieden. 1945 und die Folgen“. Sie ist bis zum 30. September in Branitz zu sehen.

„Die Ausstellung befasst sich 75 Jahre nach Kriegsende erstmals mit dem Schicksal des fürstlichen Erbes in und nach der Stunde Null“, sagte Vorstand und Direktor Stefan Körner von der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz vor der Eröffnung. Sie blickt im Ausstellungsteil des Besucherzentrums aber auch auf die künstlerischen Werke des Malers Carl Blechen in den frühen Nachkriegsjahren und zeigt erstmals das aus Privatbesitz angekaufte Gemälde des Künstlers „Aus dem Apennin“ aus dem Jahr 1829. Auch an acht Orten im Schlosspark wird im Rahmen der neuen Sonderausstellung über die Geschichte von Branitz nach 1945 informiert. „Große Geschichte und kleine Geschichten der beteiligten Menschen, über Narben und Hoffnungen der Vergangenheit, aber auch so manche Kuriosität und glückliche Rückkehr erzählen wir in der Ausstellung“, so der Stiftungsdirektor.

Die von Kuratorin Simone Neuhäuser konzipierte Ausstellung berichtet von Zerstörung und Vertreibung der gräflichen Familie und der Rettung der Kunstwerke. Sie geht auf Spurensuche und erzählt vom Elan der ersten Museumsleute und Parkhüter, von Plünderungen sowie Kaninchenzucht und Gurkenanbau im fürstlichen Park. Das enteignete und leere Schloss Branitz war 1946 zunächst als Waisenhaus vorgesehen. Doch für die Stadt Cottbus war klar, dass es schon bald ein städtisches Museum werden sollte, weil die museal genutzten städtischen Gebäude alle zerstört worden waren. Bereits am 30. Juli 1947 eröffnete das Museumsschloss als Bezirksmuseum der DDR. Auch die vom zuständigen sowjetischen Kommandeur vorgesehene Besiedlung des Branitzer Parkgeländes konnte durch mutige Bürger und Denkmalpfleger verhindert werden. (kay)

Sonderausstellung „Branitz 1945. Das fürstliche Erbe in der Stunde Null“ bis zum 30. September, täglich 11-17 Uhr, im Marstall, Besucherzentrum und an sieben Orten im Branitzer Park, Kombi-Ticket acht Euro, ermäßigt sechs Euro    

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