Theater senftenberg film

Draußen ist es kalt und stürmisch, drinnen sorgt eine Radiomoderatorin für Unterhaltung. Doch dann passiert etwas Schlimmes, das nicht gesendet werden soll. Wenig später bricht er auch schon ab, der erste Teil des Theaterfilms "Radio Einsamkeit". Die neue Bühne aus Senftenberg hat ihn produziert und den ersten Teil am 5. Mai ins Netz gestellt. Der war auch bei Facebook zu sehen, etwa 20 Minuten lang, spannend und gut gespielt. Zu den Mitwirkenden gehörte Intendant Manuel Soubeyrand, der sich als Anrufer bei dem Sender meldete. Der zweite Teil folgte am 12. Mai. Zuvor hatte das Theater mitgeteilt: Seit einigen Wochen steht er still, der Spielbetrieb an der neuen Bühne in Senftenberg, was jedoch nicht heißt, dass die Arbeit ruht. Neben den Social-Media-Kanälen, auf denen die Mitarbeiter versuchen, die theaterlose Zeit unterhaltsam zu überbrücken, arbeitet die Bühne parallel an zwei digitalen Uraufführungen. Die eine ist Nicola Bremers „Radio Einsamkeit“, der zweiteilige Theaterfilm in Kooperation mit der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. Die andere ist Tilo Esches „Das Ende der Trockenzeit“ am 16. und 19. Mai als gestreamte Live-Videokonferenz. 

„Radio Einsamkeit“ schrieb Nicola Bremer in der Isolation in den Schweizer Alpen. Der deutsch-italienische Autor erzählt von der Einsamkeit, die die europäischen Gesellschaften schon lange vor der Corona-Epidemie befallen hat. Von der sozialen Kälte und der Entfremdung im Kapitalismus und vom Wunsch, jemand anderes woanders sein zu wollen. Dabei beschreibt er nicht nur die reale Pandemie, sondern versucht als Künstler eine Perspektive auf den Ausnahmezustand einzunehmen. Kontakt zu ihm entstand über die Produktion „Selfies einer Utopie“, die in der kommenden Spielzeit am Senftenberger Theater Premiere feiern wird – und für die Nicola Bremer vom Magazin „Theater Heute“ eine Nominierung als bester Nachwuchskünstler 2018 erhielt. Die Proben für „Radio Einsamkeit“ fanden in Videokonferenzen statt. Das gesamte Team arbeitete aus dem Home Office heraus, schrieb das Theater. Die Beteiligten sitzen dabei in zwei Ländern, vier Bundesländern und sieben Städten und arbeiten im digitalen Raum an der Vision vom Theater des Internets. Regisseur Maximilian Pellert studiert im Abschlussjahr Regie an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, an der er eine multimediale Ausbildung zwischen Theater und Film im internationalen Kontext genoss. 

In Tilo Esches „Das Ende der Trockenzeit“ werden sich in einer Videokonferenz Charaktere treffen, die unterschiedlicher nicht sein können und doch einiges gemeinsamen haben. Bei ihrem monatlichen Treffen der „Anonymen Alkoholiker“, welches nun auch nur noch per Videokonferenz möglich ist, vollziehen sie eine unterhaltsame Gratwanderung zwischen  alltäglichem Irrsinn, purer Verzweiflung und dem Mut sich ihrer Situation zu stellen, heißt es weiter in der Mitteilung. Die Videokonferenz wird in Echtzeit übertragen. Tilo Esche führte an der neuen Bühne bereits bei zahlreichen Inszenierungen Regie und zeichnete zuletzt für Buch und Regie von „Theodor und wie er sich in die Welt schrieb“ verantwortlich, das im Rahmen des Spektakels „Fontane am Zug“ erfolgreich die aktuelle Spielzeit des Senftenberger Theaters eröffnete. Beide Inszenierungen sollen auch nach ihren jeweiligen Premieren auf YouTube zu sehen sein. (st)

Informationen zu den Uraufführungen gibt es im Internet auf www.theater-senftenberg.de, Einblicke in die Probenarbeit auf den Social-Media-Kanälen der neuen Bühne Senftenberg: facebook/instagram: @neuebuehnesenftenberg 

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