Kunst verschollen Blechen Cottbus

„Comeback“ stand auf der hölzernen Kiste in der Cottbuser Kundenhalle der Sparkasse Spree-Neiße. Vorsichtig hoben zwei Museumsmitarbeiter das 16,5 mal 24,6 Zentimeter große Ölgemälde aus dem Jahr 1829 aus der Tiefe. „Ein Meisterwerk von Carl Blechen ist zurück in Cottbus“, rief Stadtoberhaupt Holger Kelch (CDU) euphorisch in die Vorstellungsrunde. Nach 75 Jahren ist es wieder da. Die in den Kriegswirren verschollene Ölskizze „Aus dem Apennin“ des 1798 in Cottbus geborenen und 1840 in Berlin gestorbenen Landschaftsmalers kann nun unter anderen mit einer Finanzspritze in Höhe von 11.700 Euro vom Brandenburger Kulturministerium sowie weiterer Unterstützer wieder in die heimatliche Blechen-Sammlung der Stadt im Pückler-Schloss Branitz aufgenommen werden. Ab 8. Mai wird das aus Privathand angekaufte Kunstwerk erstmals in der Sonderausstellung „Branitz 1945“ innerhalb des Kulturland Brandenburg Themenjahres „Krieg und Frieden“ den Besuchern gezeigt.

Als „kleines Bild von einem ganz Großen“ sieht es der neue Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Stefan Körner. Die Ölskizze gehört zu den 1829 in Italien entstandenen Arbeiten Carl Blechens. Die koloristische Leistung des neben Caspar David Friedrich bedeutenden deutschen Landschaftsmalers manifestiert sich in dem starken Farbkontrast. „Es gelingt ihm, im Bild Helligkeit und Dunkelheit zwischen dem Blau-Weiß des Himmels und des Wassers zu der Erdfarbenskala der Berge und des Ufers zur Wirkung kommen zu lassen, ohne die Farbtonwerte zu schwächen“, lautete das Urteil des Experten. Noch knapp 80 Meisterwerke des zeitlebens von Karl-Friedrich Schinkel geförderten Cottbuser Malers Carl Blechen sind aus seiner künstlerischen Schaffenszeit erhalten geblieben und werden in der 1913 vom damaligen Cottbuser Oberbürgermeister Paul Werner initiierten Sammlung gezeigt.

Dazu gehören sein Selbstbildnis, der „Märkische Sandweg“, das Blechen zugeschriebene Gemälde „Felslandschaft mit einem Einsiedler“ und „Märkische Winterlandschaft“. Die wechselvolle Sammlungsgeschichte musste durch die Kriegsereignisse herbe Verluste hinnehmen. „Gut ein Drittel der seit 1955 in Branitz beherbergten Sammlung gingen verloren“, sagte eine Stiftungssprecherin. Die Edition war im Dezember 1943 von Branitz in ein Gutshaus in Klein Döbbern bei Cottbus verlagert worden. Durch die Bombardierung des Gutes im April 1945 gingen allerdings viele Blechen-Bilder verloren. Dazu gehörte zunächst auch Blechens Ölskizze „Aus dem Apennin“. Das damals mit einem Kreuz als Kriegsverlust in der Auflistung der Blechensammlung versehene Bild kann jetzt gelöscht werden. Ein Meisterwerk des großen Cottbuser Landschaftsmalers ist zurück in seiner Heimatstadt. (kay)

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