Theater Cottbus Antifaust

Die Briten haben Shakespeare, die Italiener Dante und die Franzosen Moliere. Mit Goethe und vor allem seinen „Faust“ haben die Deutschen auch den vielleicht größten Zitatenschatz. Vor drei Monaten hörten die Zuschauer bei dem gleichnamigen Schauspiel im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus nicht nur die geflügelten Worte „Am Gelde hängt…“, „Verweile doch…“ oder „Es irrt der Mensch, solang er…“. Regisseur Jo Fabian zeigte in seiner Inszenierung auch einen „Faust“, dessen Bild sich während der 30 Jahre, in denen sich Goethe mit dieser Figur beschäftigte, gewaltig geändert hat, schrieb das Staatstheater. Am Ende wurde Faust zu einem Muster des modernen Menschen im angehenden Industriezeitalter und des sich entwickelnden Kapitalismus: Ein intellektueller Einzelgänger, begabt, rücksichtslos, ruhelos und unsolidarisch, nur auf den eigenen Vorteil bedacht.

Am 29. Februar folgte nun der zweite Teil mit dem „Antifaust“ im Staatstheater Cottbus. Bei der Theater-Installation als Faust-Kommentar setzen sich Regisseur Jo Fabian und sein Schauspielensemble noch einmal mit dem berühmten Stoff in Form einer künstlerischen Reflexion über die Möglichkeiten menschlichen Zusammenlebens auseinander. Im „Antifaust“ wird untersucht, welche vergessenen Möglichkeiten die Kulturgeschichte für eine gründliche Neuorientierung birgt, nachdem Faust nicht weiter als „Lichtgestalt“ eines künftigen Gesellschaftsentwurfs taugt. Am Stück wirken außer den bekannten Cottbuser Schauspielern auch mehrere Livemusiker und Videokünstler mit. (kay)

(Achtung! Das Staatstheater Cotbus hat den Spielbetrieb in allen Spielstätten vorläufig eingestellt.)

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