Theater Bautzen Nathan

Eine interessante Konstellation: Der Bautzener Theaterchef Lutz Hillmann spielt die Hauptrolle im "Nathan der Weise" im eigenen Haus und der ehemalige Zittauer Intendant Carsten Knödler führt Regie. Am 28. Februar hatte das Stück im großen Haus Premiere. Bereits am 23. Februar gab es dazu einen Literaturvormittag im Burgtheater.

Gotthold Ephraim Lessing, der 1729 in Kamenz geboren wurde, sagte über seine Herkunft „Ich bin ein Oberlausitzer von Geburt!“, teilt das Theater dazu mit. Es sei also höchste Zeit, das wohl erfolgreichste Stück unseres "Heimatdichters" wieder einmal auf die Bühne zu bringen. Zum Inhalt heißt es: Der jüdische Kaufmann Nathan hat ein christliches Mädchen, anvertraut als seine Tochter Recha aufgezogen. Nur die Christin Daja, Rechas Amme und Kinderfrau, kennt das Geheimnis. Als Nathan von einer Geschäftsreise zurückkehrt, erfährt er, dass Recha um ein Haar beim Brand seines Hauses umgekommen wäre. Doch ein junger Tempelherr hat sie gerettet. Dieser wiederum wurde kurz vorher von Sultan Saladin als einziger Gefangener begnadigt. Saladin, der dringend Geld für die Staatskasse braucht, lässt Nathan zu sich holen und will ihn mit der Frage prüfen, welche der drei Religionen die beste sei... der so bedrängte Nathan erfindet die Ringparabel.

Judentum, Christentum und Islam – sie verbindet mehr, als sie trennt. Alle Religionen haben eine Existenzberechtigung, für Gott sind alle Menschen gleich. Eine Botschaft, die heute aktueller ist denn je. Leider ist die Frage um die richtige Religion wieder zu einer aggressiv geführten Diskussion geworden, meint das Theater, und auch heute kann man sich in dieser Auseinandersetzung nicht genug auf Humanität und Menschlichkeit ohne Vorurteile besinnen.

Der „Lausitzer Literatur vorMittag“ am Sonntag stand ganz im Zeichen des berühmten Oberlausitzer Klassikers. Seine dramatischen Werke fanden sich in größeren Abständen auch immer wieder im Repertoire des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters. Die letzten Inszenierungen von „Minna von Barnhelm“, „Nathan der Weise“, „Der junge Gelehrte“ und „Emilia Galotti“ liegen schon etwas länger zurück, so dass es für das Theater endlich wieder Zeit wird für einen „neuen“ Lessing in Bautzen. Die Entscheidung fiel auf sein wohl bekanntestes Werk „Nathan der Weise“, das zuletzt Anfang der 1990er Jahre in der Regie von Michael Grosse mit Benno Schramm als Nathan gezeigt wurde. Beim „Lausitzer Literatur vorMittag“ lasen Schauspieler und das Regieteam um Carsten Knödler Texte von Lessing und stellten ihre Gedanken zur Nathan-Premiere vor. Der Gast-Regisseur Carsten Knödler ist Schauspieldirektor in Chemnitz und war zuvor Intendant des Zittauer Theaters. (st)

"Nathan der Weise" im großen Haus des Bautzener Theaters (Achtung! Das Theater hat alle Vorstellungen bis einschließlich 9. April abgesagt.)

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