Ausstellung Borchert Dresden Wuischke

Kinder toben fröhlich auf einer Schaukel, Erwachsene schneiden sich die Haare vor dem Haus, eine ältere Frau kommt mit einem Fahrrad vorbei. Irgendwie wirkt hier alles idyllisch in Wuischke bei Hochkirch in der Nähe von Bautzen, zumindest auf den Fotos von Christian Borchert (1942-2000). Die Bilder sind zu DDR-Zeiten entstanden. Borchert war oft in dem Dorf bei Dichtern wie Kito Lorenc. Darauf verwies bis Ende Januar eine Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen in Wuischke, zu der weitere Ausstellungen über Christian Borchert in Dresden gezeigt werden.

In Wuischke waren es Tafeln mit Fotos und Texten, die an einer Mauer mitten im Ort angebracht waren. Dort hing auch ein kleiner Kasten mit Fotokarten. Auf einem Bild sind die schaukelnden Kinder von Christian Borchert, auf einem anderen eine feiernde Gesellschaft, die von einer Frau mit einem Servierwagen bedient wird, ein Zwingerball von 1983.

Mehr als zwanzig Jahre lang war der in Dresden geborene und in Berlin lebende Fotograf ein regelmäßiger Gast in Wuischke/Wuježk, teilen die Kunstsammlungen mit. In dem Dorf hatte eine Gruppe von Schriftstellern, neben Kito Lorenc auch Elke Erb, Adolf Endler und Heinz Czechowski seit den frühen 1970er Jahren nach und nach drei beieinanderliegende Gehöfte erworben, um am Fuße des Czorneboh in größtmöglicher Distanz zum offiziellen Kulturbetrieb der DDR zu leben, zu arbeiten und sich mit befreundeten Künstlern auszutauschen, heißt es. Mit Bildern und Texten wird vor Ort an die kulturhistorische Bedeutung des kleinen Dorfes in der sorbischen Oberlausitz erinnert.

Die Bedeutung von Wuischke/Wuježk als abgelegener und doch zentraler Ort der Literatur und Kulturgeschichte der DDR ist nur Wenigen bekannt, schreiben die Kunstsammlungen auf ihrer Internetseite. Und weiter: Zuerst bezog das Berliner Dichterehepaar Elke Erb und Adolf Endler ein altes Mühlgebäude als Sommerwohnsitz. Dann folgte ihr sorbischer Kollege Kito Lorenc, der sich mit seiner Familie ganzjährig im Nachbarhof niederließ. Und schließlich erwarb der Hallenser Dichter Heinz Czechowski ein weiteres benachbartes Umgebindehaus, das er mit seiner damaligen Partnerin notdürftig instand setzte. Die kleine Dichterkolonie war auch Rückzugsort und Anlaufstelle für einen weiten Kreis von befreundeten Künstlern und Intellektuellen aus der gesamten DDR. Christian Borchert war im Juni 1976 erstmals nach Wuischke gekommen, um Erb, Endler und Lorenc für seinen großen Zyklus der "Künstlerporträts" zu fotografieren. Seit den späten 1970er Jahren besuchte er seine Wuischker Freunde dann fast jedes Jahr und verbrachte hier oft mehrere Wochen, um sich zu erholen und zu arbeiten. Wie wichtig Wuischke für Borchert über die Jahre als emotionaler Ort wurde, zeigt sein Nachlass, in dem das Dorf, seine Menschen und die Dichter mit ihren Familien und Freunden einen eigenen Themenkreis bilden. Mit Bildern und Texten soll hier an dieses Kapitel seines Werks erinnert werden. Zu den Ausstellungen über Christian Borchert in Dresden gehört eine große Schau im Kupferstich-Kabinett, die noch bis zum 8. März gezeigt wird. (st)

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